Egal welches Meinungsforschungsinstitut man befragt, das Bild bleibt im Kern dasselbe: Die Union verliert an Boden, die AfD gewinnt hinzu. Unterschiede gibt es vor allem im Ausmaß – und vor allem zwischen West und Ost klafft eine erhebliche Lücke.
Bundesweit: Die AfD hat die Union eingeholt oder ĂĽberholt
In praktisch allen aktuellen Erhebungen liegt die AfD bundesweit inzwischen vor der Union – teils mit deutlichem, teils mit knapperem Abstand. Die Grünen folgen üblicherweise auf dem dritten Platz, während SPD und Linke sich meist in etwa auf Augenhöhe bewegen, deutlich abgeschlagen hinter den ersten beiden Kräften. Kanzler Friedrich Merz persönlich verzeichnet in mehreren Umfragen seine bislang schlechtesten Zustimmungswerte: Eine breite Mehrheit der Befragten bewertet seine Arbeit als Kanzler negativ, und selbst unter den eigenen Anhängern zweifelt ein erheblicher Teil an seinem Rückhalt in der Partei.
Ostdeutschland: Wo die AfD nicht mehr einzuholen scheint
Besonders deutlich fällt das Bild in den ostdeutschen Bundesländern aus, in denen als Nächstes neue Landtage gewählt werden. Dort liegt die AfD Umfragen zufolge nicht nur vorn, sondern mit einem Abstand, der den bundesweiten Vorsprung um ein Vielfaches übersteigt – teilweise kommt die Partei dort auf annähernd doppelt so hohe Zustimmungswerte wie im Bundesschnitt. Mehrere regionale Erhebungen melden für die AfD in diesen Ländern historische Höchstwerte.
Damit zeichnet sich ein klares Ost-West-Gefälle ab: Während die AfD bundesweit die Union eingeholt oder leicht überholt hat, ist sie in den östlichen Bundesländern längst zur klar dominierenden politischen Kraft geworden – mit einem Abstand zur zweitplatzierten Partei, der ein Vielfaches des bundesweiten Rückstands der Union beträgt.
Die Brandmauer bröckelt dort, wo die Zahlen am schlechtesten sind
Parallel zu den Umfragewerten zeigt sich auf kommunaler Ebene ein zweites, deutlich greifbareres Muster: Die offizielle Abgrenzung der Union zur AfD hält in der Praxis immer seltener. Eine Studie des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung zählte über einen mehrjährigen Zeitraum mehrere hundert Fälle, in denen demokratische Parteien auf kommunaler Ebene AfD-Anträgen zustimmten – in einem erheblichen Teil davon waren CDU- oder FDP-Vertreter beteiligt. Erst kürzlich stimmten in einem brandenburgischen Stadtparlament mehrere CDU-Mitglieder gemeinsam mit der kompletten AfD-Fraktion für einen Antrag zur Einrichtung einer "Sicherheitspartnerschaft" – ein Vorfall, der in der Partei für Unruhe sorgte und andernorts bereits Parteiausschlussverfahren nach sich gezogen hat.
Merz selbst hält offiziell an der strikten Trennlinie fest und bezeichnet die AfD wiederholt als "Hauptgegner" der Union. Die kommunale Praxis in mehreren Bundesländern – ebenso wie die anhaltende Umfrageschwäche gerade dort, wo die AfD am stärksten ist – zeichnen davon allerdings ein deutlich uneinheitlicheres Bild.
